Uber. Eine lustige Fahrt

Ein Erfahrungsbericht aus New Jersey

Mitfahren mit dem Uber

Diese App haben wir noch vor dem Flug auf unsere Handys installiert, aber bis jetzt noch nicht benutzt und uns überhaupt noch nicht damit beschäftigt. Jetzt suchen wir nach einem passenden Transportmittel, um nach Hause zu gelangen – warum eigentlich nicht Uber ausprobieren?

Wir geben unser Ziel an und bekommen sofort ein Angebot, welches uns mit einem niedrigen Preis angenehm überrascht. Unter 20 Dollar für beide, direkt nach Hause. Nachdem wir die Kreditkartennummer bestätigen, zeigt uns das Handy sofort den Namen und das Foto unseres chinesischen Fahrers an. Das Auto wird ein Honda Odyssey sein, Abholzeit in 3 Minuten. Die Karte von der Umgebung wird angezeigt, ein Punkt bewegt sich in unsere Richtung. Lustig.

  • USA-Reise
  • Hispano-Viertel
    Hier spricht man Spanisch
  • Manhattan-Blick aus New Jersey

Der Wagen erscheint tatsächlich in etwa 3 Minuten. Innen ist sehr viel Platz. Ich habe früher noch nie in solch einem Auto gesessen. Auf dem Beifahrersitz sehen wir eine junge Frau, noch ein Fahrgast sitzt hinten. Wir steigen ein und werden freundlich begrüßt. Es wird über etwas „diskutiert“.

Die neben uns sitzende Frau zeigt dem Fahrer auf sein Navigationsgerät und versucht ihm hastig zu erklären, dass er zuerst zu einem anderen Punkt fahren soll, um sie dort abzusetzen. Das ist auch hier um die Ecke. Das zweite Ankunftsziel befindet sich viel weiter und die Person ist auch später eingestiegen. Der Fahrer dreht sich gar nicht zu ihr um, guckt starr aufs Display, das Auto bleibt stehen.

Nach einer halben Minute wagt sie sich, ihn an der Schulter zu berühren. Er dreht sich um, völlig verlorener Gesichtsausdruck, – es wird uns allen klar – Englisch wird hier keinem helfen. Ein Versuch ist es wert – doch Spanisch wirkt genauso wenig. Die Frau greift verzweifelt zu ihrem Mobiltelefon, zeigt ihm die Karte. Plötzlich hellt sich das Gesicht vom Chinesen auf. Er reißt der Frau das Handy aus der Hand, steckt es vorne in seine Halterung und drückt auf „Navigation starten“.

– Oder so – lacht unsere Mitfahrerin und lehnt sich entspannt zurück. Nach drei Minuten steigt sie aus. Die zweite Frau ist an der Reihe. Jetzt fahren wir wieder nach dem Navigationsgerät des Fahrers. Die Lautstärke steht ganz hoch und bereits nach zwei Kreuzungen wissen wir alle, wie man auf Chinesisch „nach Links“ und „nach Rechts“ sagt. Bei einem solcher Manöver, kann ich es mir nicht mehr verkneifen und komme dem Navi zuvor, mit meinem chinesischen „nach Rechts“ – alle lachen.

Die zweite Frau steigt aus, wir bleiben die einzigen Passagiere. Unserer Fahrer reicht uns kommentarlos zwei Flaschen Trinkwasser und nickt, als wir uns bedanken.
Etwa zehn Minuten fahren wir in die Richtung unserer Wohnung, dann biegen wir aber ab und fahren offensichtlich nicht weiter zu unserem Ziel. „Er holt noch jemanden ab“ – versteht zuerst meine Frau. Und tatsächlich bleiben wir in einer Gasse stehen, der Fahrer greift zum Telefon. Er spricht auf Chinesisch, wir verstehen nur „Uber“ – das Gespräch ist rasch vorbei. „Jetzt holen wir einen Chinesen ab“ – meine ich. Doch dann wählt er neu und alles wiederholt sich zum zweiten und dritten Mal.

Der Andere legt einfach auf, – begreife ich plötzlich. Der Fahrer wählt zum vierten Mal, schiebt mir dann aber rasch das Handy zu. Ich gehe dran und höre direkt eine laut brüllende, weibliche Stimme: „Ich brauche jemanden, der Englisch oder Spanisch spricht zum Henker!“ „Den haben sie jetzt“, sage ich schnell, bevor Sie auflegt. Dann erkläre ich ihr, wo wir stehen. In einer Minute sitzt sie bereits auf dem Beifahrersitz und starrt wütend nach vorne. Sie ist sauer.

Als wir zu unserem Ziel kommen, bedanken wir uns mit einem kleinen Trinkgeld – unserer Fahrer ist sehr glücklich. Später bekommen wir eine Nachricht von Uber, wo wir die Fahrt bewerten und ein Trinkgeld über die App zahlen können. Wer konnte es wissen?!

Zu Hause denke ich noch eine Weile über diese Fahrt und über den Fahrer nach: Ist es eigentlich eine Frechheit oder eine Tapferkeit? Oder vielleicht gar die in Inanspruchnahme des amerikanischen Lifestyles, wo alle so leben, wie sie es für richtig halten und wo jeder seine Chance auf Erfolg hat, Jeder…

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