Ilse Arts – eine Spielmacherin

Sportlerin Ilse Arts - Rollstuhlbasketball
Foto: ©Special Content

Sie ist schlagfertig! Eine der besten Spielerinnen der Mannschaft, eine sehr aktive junge Frau mit viel Engagement und Interesse am Leben. Während unseres Interviews beantwortet sie die Fragen schnell und sehr direkt.

Ilse hat einen eigenartigen Charme. Obwohl die Züge ihres Gesichts kaum weich zu nennen sind, sobald sie zu sprechen beginnt, schimmert ein sympathisches offenes und kluges Wesen durch.

Ilse kommt aus Holland. Sie versteht gut Deutsch, redet aber überwiegend auf Englisch, sowohl mit der Mannschaft als auch mit Journalisten.

In ihrer Heimat arbeitet sie als Designerin in dem Familienunternehmen ihrer Eltern. „Die Selbständigkeit ist ein großer Vorteil für mich“, erklärt sie, „man kann seine Zeit nach eigener Regie einteilen. So hat man auch Zeit für viel Sport.“

Und diese Zeit braucht sie. Ilse muss hart trainieren, um an den Paralympics in Tokio teilzunehmen. „Ich möchte eine Medaille!“ – Das ist doch eine klare Ansage, oder?

Für die Fahrt von Zuhause bis nach Essen zum Training braucht sie eine Stunde. Das nimmt sie in Kauf.

Es ist ermüdend. Sie kommt nachhause, isst, entspannt für eine halbe Stunde, steigt wieder in den Wagen und fährt los zum Training. Dann wieder eine Stunde zurück. Ins Bett geht’s um 1.30 Uhr.

Aber Meckern ist nicht ihr Ding. Auch über Ihren Unfall erzählt sie ohne sichtbare Aufregung. Das war für sie ja kein Ende, sondern ein Neuanfang. Seitdem spielt sie Rollstuhlbasketball.

„Es ist 8 Jahre her“, erzählt Ilse, „ein Motorradunfall. Ich war damals 20. Man brachte mich ins Krankenhaus und hat sich viel um mich gekümmert. Anschließend habe ich eine Reha angefangen und bin in der Klinik auf Basketball gestoßen. Sie haben ein Sportprogramm, wo man verschiedene Sportarten treiben kann. Volleyball, Basketball, Badminton, Klettern, so ziemlich alles.

Eineinhalb Jahre nachdem ich die Reha beendete, habe ich eine Einladung zu einem Probetraining mit einem holländischen Team bekommen. Ich hatte damals nicht einmal meinen eigenen Sportrollstuhl, sondern nur einen von der Klinik. Sie haben etwas in mir gesehen. Es hat ungefähr ein Jahr gedauert bis ich anfing, denn es standen zu dem Zeitpunkt noch weitere Operationen aus.

Danach bin ich normal zum Training gegangen und bin bei dem Team auch geblieben. Ich habe dann mit der
niederländischen Frauennationalmannschaft an drei Europameisterschaften teilgenommen und wir haben alle gewonnen.

Nein, es ist gar kein Problem mehr. Ich bin total unabhängig, habe mein eigenes Auto und kann wirklich alles alleine machen. Ich brauche nichts.“

Obwohl sie eine zufriedene Person ist, gibt es Dinge, die sie richtig wütend machen. Dann flucht sie ziemlich heftig. Als Ilse es mir erzählt, schaue ich sie prüfend an, überlege ob ich es mir vorstellen könnte. Doch ich kann es mir vorstellen! Das Mädchen ist nett, aber auch sehr direkt – genau das macht sie vielleicht so sympathisch.

„Es passiert mir manchmal beim Rausgehen. Nur weil ich im Stuhl sitze, soll ich jetzt nicht ausgehen und mein Leben leben!? Sollte ich etwa lieber Zuhause sitzen und Trübsal blasen? Keiner möchte das! Ich gehe gerne mit meinen Freunden aus. Es ist meistens sehr nett. Ab und zu trifft man aber auf Menschen mit Mangel an Respekt. Ich glaube, dass das mein größtes Problem ist. Leute gucken auf einen runter und nehmen mich nicht für voll.

Es ist schon sehr häufig vorgekommen, dass ich in einem Klub war, und man mir dort den Kopf streichelte, weil es ja so gut geht, da ich sitze. Wahrscheinlich sind die Leute dann entweder betrunken oder auf Droge, sodass sie nicht mehr mitbekommen, was angemessen ist und was nicht. Sie meinen es nicht böse. Doch ich kann dann schnell wütend werden.“

Nach unserem Interview beobachte ich Ilse eine Weile beim Training. Sie rollt in ihrem Stuhl so leicht und flink, als ob es ein Teil Ihres Körpers wäre, schnell, sportlich aggressiv. Hier gibt es keinen Platz für Emotionen: Dafür gibt es einfach keine Zeit.

Ilse Arts ist eine Spielmacherin – das sagen alle, die sie als Nationalspielerin in Holland kennen und auch hier in Deutschland bei den Hot Rolling Bears.

„Sie dominiert oft, sowohl im Spielaufbau als auch in der Defensive“, kommentiert der Pressesprecher der Hot Rolling Bears, Herr Grebert.

Während des Final-Spiels Niederlande gegen Großbritannien brachte Ilse ihrer Mannschaft die Goldmedaille.

Freie Bühne für Macher

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