Es ist anderes als in Europa

Zwei Wochen in Manhattan und New Jersey

New York besuchen

Es ist anderes als in Europa. Die Zeit, das Klima, das Essen. Auch die Tierwelt überrascht einen Ankömmling mit ungewöhnlichen Begegnungen. Zu Hause treffen wir solche Lebewesen nur im Zoo. Ein Stinktier-Pärchen streicht durch den Park, später, wenn es dunkler wird, schlüpft ein Waschbär unter ein Auto.

Die Eichhörnchen sind grau und frech. Sie laufen ständig auf einem dicken Stromkabel über unserer Veranda. Da die elektrischen Leitungen meist oberirdisch und ziemlich chaotisch verlaufen, haben diese Tierchen viel Spielraum. Eine Kabel-Transitstrecke von Baum zu Baum hat fast immer viel Verkehr – ein Tierfotograf hat hier nie Langeweile.

Am lustigsten kommt uns aber ein Murmeltier (später haben wir ihn Carmichael getauft). Dick und gemütlich, hat er eine sehr souveräne Ausstrahlung. Besonders possenhaft wirkt er auf uns, als er zum ersten Mal, Rücken Stock-grade und ans Gitter lehnend, die Ruhe selbst, die Wolkenkratzer von Manhattan betrachtet. Hier in New Jersey sieht man die ganze Pracht aus der Entfernung – auch für uns ein Luxus, fern von der Hektik und Hitze, die Rosinen dieses Wunders raus picken zu können.

New York muss man mal gesehen haben – sagt man. Es ist gar nicht so einfach, erfordert gewisse Ruhe und einen entspannten Blick, sonst ist sie schnell zu groß, zu hektisch, zu voll.
Der Weg von der anderen Hudson-Ufer-Seite, etwa 25 Minuten mit dem Bus, gibt jeden Tag ein bisschen Zeit, uns darauf einzustellen. In dem Bus spricht man Spanisch, ab und zu hört man mal die englische Sprache, aber das eher seltener.

Der „Boulevard West“ in New Jersey ist ein lateinamerikanisches Viertel. In Geschäften und auf der Straße wird Spanisch gesprochen, an der Haltestelle findet man ein Zeitungsfach mit „El Diario“(Gazette). Aber auch diese spanischsprachige Welt ist sehr bunt. Genau genommen sind das viele Welten, welche auf irgendeine Art und Weise zusammengehören.

Als der Bus wieder aus dem Lincoln-Tunnel auftaucht, sind wir alle zusammen bereits in Manhattan, in einem noch viel größeren Aquarium mit unglaublicher Arten-Vielfalt. Das spiegelt sich in allem wieder: die Farbe ist „Bunt“, der Stil ist der Eigene, die Ordnung ist Chaos. Jeder scheint sich zu bemühen, etwas zu diesem Chaos beizutragen, als ob man dadurch ein gemeinsames Ziel anstrebt und so zu etwas Gemeinsamen wird.

Die 7te Avenue, direkt am Busterminal, hat kein bisschen Grün – nur Stein und Mensch. An der Kreuzung stehen zwei Verkehrspolizisten – einer reicht nicht aus, um den Verkehr zu „harmonisieren“, trotz perfekt funktionierender Ampeln. Auf diese wird seitens der Fußgänger selten geachtet, wodurch die Autos bei Grün wenig Chancen haben, die Kreuzung in einem Zug zu passieren, schließlich nach der Signalschaltung da bleiben und dazu gezwungen sind, auch über Rot zu fahren, um die Kreuzung endlich zu verlassen.

 

Bei diesem Chaos und Gedränge herrscht hier eine zuvorkommende Freundlichkeit – vielleicht ist es genau das, was die Koexistenz auf diesen überfüllten Straßen möglich macht. Das Wort „Koexistenz“ fällt mir wahrscheinlich nicht ohne Grund ein, denn das was mich die ganze Zeit in New York beschäftigt und diese Reise wirklich interessant macht, ist ein völlig anderes Gesellschaftsmodel, als das, was wir kennen. Wer sind die Amerikaner? Was hält sie überhaupt zusammen? Diese Gesellschaft funktioniert ohne die vielen Bausteine, welche wir in Europa von unseren Vorfahren geerbt haben. Es zeigt, eine andere mögliche Entwicklung des Menschen auf der Erde. Und das alles ist noch sehr, sehr jung. Es wäre, denke ich, ziemlich oberflächlich nach den Kriterien unserer Gesellschaft zu urteilen – das hier ist eine andere Welt.

Aber was weiß ich schon davon, nach unserem nur zweiwöchigen Besuch… An dieser Stelle schiebe ich die Tastatur zur Seite und zeige Euch ein Paar Bilder.

Manhattan ist toll und prächtig. Wir wollen wissen, wie es in den anderen Stadtteilen und am anderen Hudson-Ufer aussieht. Wir starten zu Fuß in New-Jersey und laufen Richtung Zentrum über die kleinen Peripheriestraßen. Sie sind sehr breit und ruhig. Keine hohen Gebäude, nur private Häuser und kleine Geschäfte sehen wir unterwegs. An vielen Häusern hängt eine
US-amerikanische Fahne. Ein Mann läuft uns entgegen und wünscht uns „a nice day“ – das ist bereits der Zweite. Hinter einem Zaun sieht man einen leeres Grundstück, weiter am Horizont die Wolkenkratzer von Manhattan.

Kleine Kirche in New Jersey

Alte Bleistiftfabrik
Dixon Crucible Company

Wir sind bereits seit mehr als drei Stunden unterwegs und nähern uns dem modernen Part von Jersey City. Die Gebäuden werden höher, die Straßen noch breiter, an einer Kreuzung sieht man die Schornsteine einer alten Fabrik. Das ist die „Dixon Crucible Company“ – die erste Bleistift-Fabrik in den USA.
Nachdem die Produktion in 1980 eingestellt wurde, wurde die Fabrik renoviert und zu „Dixon Mills, a mixed-use apartment complex“.

Nach ein Paar weiteren Kilometern erreichen wir das Hudson-Ufer. Hier ist alles modern und schön. Direkt gegenüber ragen die „Skyscraper of Manhattan“ in den Himmel. Doch ist es hier nicht so voll, wie im Herzen von New York – es lässt sich atmen. Auch mussten wir feststellen, dass die Preise im Vergleich zu Manhattan selbst moderat sind. Wir bekommen Kaffee für 3 Dollar pro Becher und nippen dran, die schöne Aussicht auf die moderne Architektur und den regen Flussverkehr genießend. Auch in der Luft gibt es ein großes Hin und Her.
Mindestens fünf Helikopter gleichzeitig sind mit dem Geldverdienen beschäftigt. Ständig landen sie, um neue Touristen abzuholen und diese für 10 oder 15 Minuten über der Metropole in der Luft zu schaukeln.

Hier könnten wir lange sitzen, doch für morgen steht bereits viel auf der Liste und wir müssen auch irgendwann nach Hause. Den Weg zurück schaffen wir nicht mehr zu Fuß. Nun entscheiden wir uns fürs „Uber“ und erleben eine interessante Begegnung. Darüber schreibe ich in der Fortsetzung dieses Artikels.

 

Und hier noch ein paar Fotos:

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