Elektromobil aus einem „Verbrenner“

Verbrenner umbauen, Stromer, Technik der Zukunft

Stellen Sie sich vor: Panamera als E-Mobil mit 500 PS, Allradantrieb und 450 km Reichweite

Zukunftsorientierte Technologien schaffen ihren Durchbruch, sind in unserem Alltag sichtbar und verändern ihn. Es macht sehr viel Freude, diese Veränderungen persönlich mitzuerleben.
Besonders stark machen sich solche Themen wie Elektromobilität bemerkbar. Man sieht schon manche Ladestationen in der Stadt und in Parkhäusern, kann Elektroautos mieten oder kaufen, fährt Elektroroller und E-Bike. Wie präsent diese Veränderungen in unserem Alltag sind, versuchen wir in einer Serie von Artikeln über Elektromobilität festzustellen. Obwohl das Projekt von „Dein Werk“ in erster Linie auf das Ruhrgebiet bezogen ist, beginnt unsere Reise in Österreich. Dort ist die Firma Kreisel Electric ansässig. Als ich eine von meinen ersten Recherchen zum Thema E-Mobil im Internet durchführte, stieß ich auf das Thema Umbau auf E-Wagen. Denn man kann ein Elektrofahrzeug nicht nur fertig kaufen, sondern auch ein Fahrzeug mit Verbrennungsmotor umbauen oder umbauen lassen. Firma Kreisel Elektrik war eines der ersten Unternehmen, die das gewagt haben.
Auf der Webseite EV-Cars wurde den potenziellen Kunden die Umrüstung von Sportwagen auf Elektroantrieb angeboten. Auch manche Umbaukits für Porsche 911 (997) und diverse BMW Modelle wurden entwickelt. Für 23000 € kann auch ein A2 komplett umgebaut werden. Es hörte sich alles ziemlich interessant an und ich habe den Kontakt mit Herrn Markus Kreisel aufgenommen:

Elektromobil, Elektromobilität, E-Auto DW: Herr Kreisel, Sie bauen Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor auf Elektroautos um. Wie hoch ist der Aufwand und was sind die wichtigsten Schritte?

M.Kreisel: Alles ist davon abhängig, was Sie damit erreichen wollen. Als wir mit dem Thema begannen, haben wir unsere Entwicklung basierend auf niedriger Spannung durchgeführt und konnten tatsächlich auch für private Einzelanwender solche Autos wie Audi und Porsche umbauen. Es war aber sehr aufwändig. Ein Umbau dauerte bis zu einem Monat. Dann haben wir aber erkannt, dass die Zukunft von solchen Prozessen bei Hochspannungstechnologien liegt. Wir haben uns rein auf die Entwicklung spezialisiert, gerade im Batteriebereich. Letztlich haben wir unsere Technologie für einen Serienumbau entwickelt.

DW: Hatten Sie damals bereits so viele potenzielle Kunden?

M.Kreisel: Mehrere Transport- und Logistikunternehmen haben uns motiviert, für sie das Thema weiter zu entwickeln, was für diesen Stückzahlen sich auch rentierte. Wir haben bald zwei Modelle entwickelt: Mercedes Sprinter und VW Caddy.

DW: Welche Batterie verwenden Sie?

M.Kreisel: Wir verwenden die Lithium-Ionen Batterien, die wir in unserem Hause aus zugekauften Zellen zusammenbauen.

DW: Wie wird diese Elektrobatterie geladen?

M.Kreisel: An einer 22 KW Ladestation. Genau so wie z. B. ein Tesla. Die Batterie basiert auch auf dem gleichen Prinzip. Ab Mitte des Jahres werden wir diese Batterien in Serie produzieren.

DW: Tesla erreicht die Reichweite von mehreren hundert Kilometern. Ist das bei Ihnen auch der Fall?

M.Kreisel: Ja, für unsere Fahrzeuge ist die Reichweite kein Problem.

DW: Haben Sie viel Konkurrenz auf dem Markt?

M.Kreisel: Es gibt relativ viel Wettbewerb im Bereich kundenspezifischer Einzelumbauten. Allerdings haben wir auf Grund unseres hohen Niveaus und unseres Serienumbaus weniger Konkurrenz.

DW: Wie groß ist Ihre Mannschaft in der Entwicklung?

M.Kreisel: Wir beschäftigen zu Zeit ca. 10 Entwickler.

DW: Warum gibt es überhaupt solch ein Bedarf des Fahrzeugumbaus? Die Autohersteller könnten doch direkt das Richtige an Kunden liefern?

M.Kreisel: Technisch gesehen ist das natürlich kein Problem. Nur administrativ braucht ein Riese für solche Entscheidungen sehr viel Zeit. Ein relativ kleines Unternehmen dagegen reagiert sehr schnell und trifft die Entscheidung, dass Elektrofahrzeuge gebraucht werden. Außerdem ist das größte Thema die Batterie selbst. Nicht jeder Konzern hat dafür eine passende Technologie. Hier sind wir im Vorteil.

DW: Die Zellen kaufen Sie auch zu. Das gleiche kann doch auch ein anderer tun?

M.Kreisel: Man muss ein Konzept haben, wie man so viele einzelne Zellen verbindet und das ganze Konstrukt in einem Fahrzeug verbaut. 6000 bis 8000 Zellen muss man miteinander verbinden.

DW: Wodurch ist Ihre Technologie geprägt?

M.Kreisel: Wir setzen Industriekomponenten im Hochvoltbereich ein (300 bis 400 V). Die hohe Spannung wirkt sich sehr positiv auf die Lebensdauer der Batterie aus. Auch die Komponenten wie z.B. der Elektromotor sind kleiner. Je niedriger die Spannung ist, desto größer sind die E-Bauteile. Wir haben am Anfang nur 2 Fahrzeuge mit niedrigerer Spannung gebaut und das dritte hatte bereits mit höherer Spannung funktioniert. Wir sahen so viele Vorteile, dass wir ab diesem Moment nur noch im Bereich ab 300 V arbeiteten.

DW: Welche Motoren sind für ein Elektrofahrzeug geeignet?

M.Kreisel: Sowohl Synchron- als auch Asynchronmotoren. Der Trend geht in Richtung Asynchronmotoren. Einer von den führenden Herstellern ist Bosch. Im Bereich von asynchronen Maschinen kommen leichte Motoren zwischen 30 und 50 kg in Frage.

DW: Welches Auto fahren Sie persönlich?

M.Kreisel: Ich habe einen voll elektrischen Panamera – aus eigenem Umbau: 500 PS, Allradantrieb und 450 km Reichweite.

DW: Vielen Dank für das spannende Gespräch und viel Erfolg.

 

Dein Werk, Yevgeniy Kucherskyy

1 Kommentar

  1. Hallo, anscheinend bin ich der ERSTE, der hier kommentiert und dann noch in Frageform, dafür aber kurz!
    Ich habe hier inZürich schonmehrmals so ein Protzauto gesehen (TESLA)!

    W A R U M muß so ein Auto eigentlich 400 PS und mehr haben und in 4 Sekunden auf Hundert sein? Wie ist es möglich, daß man im Niedervoltbereich anfängt, obwohl schon seit den Zeiten von Hertz und CO. bekannt ist: Je höher die Spannung, umso kleiner der Querschnitt?

    Ich habe jetzt ein Gebrauchtdiesel mit 170 PS und das ist mir schob viel zu viel! Ich habe ihn nur genommen, weil es sonst keinen anderen Wagen gab.
    Also, wenn ich jetzt einen 170 PS E-Wagen hätte, wäre ich dann langsamer wie mit dem Diesel unterwegs – oder (kleiner Scherz) sind Diesel-PS stärker als Elektro-Ps????
    Letzte Frage: Was kostet nun alos so eine Kreiselbatterie?? – Da drücken sich alle Internetseiten vor, des Preis zu benennen

    mit den freundlichsten Grüßen

    gero greb

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