Das Konsulat

Auslandsjahr in den USA. Part VII

Aupair-Visum, Auslandsjahr

Die Vorbereitung

Frankfurt ist die Stadt mit der größten Skyline in Deutschland. Bevor ich dort mein Visum beantragen musste, gab es für mich nie zuvor einen Grund hinzufahren, auch wenn es eine moderne Stadt ist und sich nicht weit weg von Essen befindet. Die Ansicht von Wolkenkratzern und Skylines hat mich schon immer angezogen und ich freute mich nun, das Alles zu sehen. So auch Tom.

Um genug Zeit zu haben diese große Stadt zu erkunden bevor wir wieder Heim mussten, haben wir unsere Termine auf den frühen Morgen und direkt nacheinander gelegt: 2. Mai um 10:00 Uhr, das weiß ich noch genau. Tom war vor mir dran. Unseren Klassenlehrern haben wir es zu verdanken, dass wir an diesem Tag fehlen durften.

2. Mai 2016

Er holte mich früh am Morgen ab. Dem Verkehr nach würde die Fahrt 3 bis 4 Stunden dauern. Um sicherzugehen, dass wir keinesfalls zu spät kommen, sind wir bereits um 4:30 losgefahren.

Tom fuhr damals ein verdammt altes Auto, sodass ich mich fragte, ob wir es damit überhaupt bis nach Frankfurt schaffen.
Ich habe die Nacht nicht wirklich geschlafen: die US-Amerikanischen Botschaften haben einen sehr strengen Ruf. Ich habe von Fällen, wo die Antragsteller das Visum nicht genehmigt bekommen haben, durchaus schon gehört. Doch habe ich alles von mir abhängige gemacht… jetzt blieb es abzuwarten.

Die Autofahrt war ganz in Ordnung und je näher wir kamen, desto mehr freute ich mich diese Stadt zu sehen. Es war eine Art „Vorschau“ auf die USA, da dort jede Großstadt eine gigantische Skyline hat. Viele Menschen verstehen nicht, was ich an Großstädten mit Wolkenkratzern finde, doch am Ende meiner Erzählungen werden sie mich vielleicht besser verstehen.

Das Konsulat befindet sich im Zentrum von Frankfurt. Die ersten Eindrücke, die ich von dieser Stadt beim Durchfahren sammelte, ließen mich Vorfreude auf das Erkunden dieser Metropole verspüren.

Als wir endlich ankamen, haben wir nach einem Parkplatz gesucht, wo wir das Auto auch während unseres Tages in Frankfurt stehen lassen konnten. Wir fanden einen Ort, keine 10 Minuten Gehweg vom Konsulat entfernt. Wir hatten noch eine Stunde bis Toms Termin.

Zuerst haben wir versucht, diese Zeit fürs Ausruhen nach der schlaflosen Nacht zu nutzen, doch schnell merkten wir, dass es bei unserer Aufregung keinen Sinn ergab. Also fingen wir an, uns über mögliche Szenarien, wie wohl unsere Gespräche laufen würden und was für Fragen uns gestellt werden würden zu unterhalten. Die Zeit verging super langsam.

Etwa 20 Minuten vor seinem Termin machte Tom sich auf den Weg zur Behörde. Da Besuchern der Einlass nur unmittelbar vor deren Termin gewährt wird, musste ich mich noch im Auto gedulden, bis auch ich an der Reihe war. Da wir keinerlei Vorstellung hatten, wie lange solch ein Prozess gehen würde, wusste ich nicht ob ich Tom vor meinem Termin noch sehe. Also wartete ich.

Schon nach 25 Minuten kam er mit guten Nachrichten wieder: Ihm wurde das J-1 Visum genehmigt. Was für eine Erleichterung! –nicht nur für ihn, sondern auch für mich. Dadurch habe ich wieder etwas Mut und zusätzliche Motivation bekommen, ins Gespräch zu gehen. 30 Minuten blieben mir noch.

Wie man sich vorstellen kann, fing ich an ihn mit meinen 1000 Fragen zu löchern: „Wie war‘s?“, „Was haben sie gesagt?“, „Mit wem hast du gesprochen?“, „Was wurdest du gefragt?“ und so weiter.
Tom hat eine eher ruhige Persönlichkeit. Nachdem er meine Fragen beantwortete, sagte er mir, dass ich mich beruhigen sollte und dass es halb so wild ist, wie wir beide gedacht haben.

Nun war ich an der Reihe. Ich stieg aus dem Auto, nahm meinen Rucksack mit all meinen Dokumenten und lief in Richtung Haupteingang der Botschaft, entlang des riesigen, umzäunten Geländes. Da stand ich, vor dem Haupteingang der US-Amerikanischen Botschaft.

Auf der linken Seite neben dem Eingang befand sich ein kleiner Schalter. Ein junges amerikanisches Paar mit einem Kleinkind stand davor und unterhielt sich mit der Dame auf der anderen Seite der Glaswand. Ich stellte mich hinter ihnen an.
Als ich dran war, musste ich der Dame meinen Reisepass und eines der vielen anderen Dokumente, die ich mit mir hatte, vorzeigen. Sie überprüfte meine Daten, gab mir die Papiere zurück und schickte mich rein.

Als ich eintrat, geriet ich in einen kleinen Raum, in dem ich auf zwei US-Amerikanische Beamte des Grenzschutzes traf. Die Männer bedienten den Sicherheitskontrollstand – einer, wie wir ihn vom Flughafen kennen. Der Check war das Einzige, was sich in diesem Raum abspielte. Als ich durch die Kontrolle war, schickten die Beamten mich in einen Gang, der in eine große Halle führte.

Die Halle hatte einen ältlichen, klassisch-architektonischen Look und war mit Säulen, die vom Boden bis hin zur Decke ragten, dekoriert. Beinahe jede Stelle dieser Säulen war mit Flaggen versehen – die 50 Staatsflaggen der Vereinigten Staaten. Eine Reihe von kleinen Schaltern zog sich an den Wänden der Halle entlang, nur einige von ihnen besetzt.

Ich ging zum Informationsstand, der sich direkt am Eingang befindet und fragte die dort verwaltende Dame, wo ich denn mit meiner Angelegenheit hinmüsste. Sie zeigte auf einen der vielen Schalter auf der anderen Seite der Halle, vor dem einige Menschen standen. Ich dankte ihr, lief rüber und stellte mich an.

Wie ich da stand, schossen tausende Gedanken durch meinen Kopf:

Was ist, wenn mein Englisch nicht gut genug ist, um mich mit der Dame zu unterhalten?
Ich habe das Visum ein zweites Mal mit einer anderen Reisepassnummer beantragt. Hat das einen Einfluss?
Auch wenn die Schlange in der ich anstand nicht so lang war, dauerte es mindestens 15 Minuten bis die Dame am Schalter mich zu sich winkte.

Sie begrüßte mich rasch und fragte nach einigen Dokumenten.
Sie schaute in meine Papiere und tippte dabei etwas in ihren Computer ein. Nach einer kleinen Weile fing sie, immer noch in meine Dokumente schauend, an mir Fragen zu stellen: „Wieso wollen sie in die Vereinigten Staaten einreisen?“, „Was wird der Grund ihres Aufenthaltes sein?“, „Wie lange wollen sie im Land bleiben und wann haben sie vor zurückzufliegen?“, „Was erwartet sie, wenn sie wieder in Deutschland ankommen? Die Schule, ein Studium?“

Ich habe auf alles möglichst sachlich und detailliert geantwortet. Weder als sie ihre Fragen stellte, noch als ich diese beantwortete, hat die Frau mich angesehen. Das setzte mich noch mehr unter Druck.
Nachdem ich die letzte Frage beantwortet habe, trat eine Pause ein, in der die Dame ununterbrochen auf den Bildschirm schaute, ohne jegliche Geräusche oder Bewegungen von sich zu geben. Das war verdammt eigenartig.

Ungefähr eine Minute später fing sie an meine Dokumente so zusammenzufalten, wie ich sie ihr gegeben habe und schob diese dann wieder unter der Glaswand zu mir hindurch, während sie meinen Reisepass weiterhin in ihrer linken Hand hielt. Dann hob sie ihre Hand mit dem Reisepass hoch, als würde sie ihn mir zeigen wollen, und sagte: „Sir, das könnte jetzt einige Wochen dauern. Ihren Reisepass bekommen sie dann per Post zugeschickt. Haben sie noch einen schönen Tag.“
Ich sagte nichts, dachte jedoch: Wieso behält sie meinen Reisepass und gibt ihn mir nicht wieder? Was passiert hier gerade?
…Wisst Ihr, als ich Tom die ganzen Fragen bezüglich seines Termins stellte, fragte ich ihn nicht, wie er das Visum überhaupt bekommen hat…
Bevor sie die nächste Person in der Schlange aufrufen konnte, drehte mich schnell wieder zu der Dame und fragte verwundert: „War´s das? Was muss ich als nächstes machen?“
Die Frau wiederholte sich, nur diesmal etwas genauer: „Sir, sie müssen jetzt einfach auf ihren Reisepass mit dem darin enthaltenen Visum warten, bis dieser in ein paar Wochen per Post zu ihnen kommt. Das ist es auch schon.“ und sagte laut: „Der Nächste!“.

Man hätte mich in diesem Moment sehen sollen: Verblüfft wie ich war fing ich langsam an, ein paar Schritte zurückzugehen um die nächste Person in der Schlange durchzulassen ohne die Augen von der Dame im Schalter zu nehmen. Sie achtete nicht weiter auf mich.
Ich drehte mich um, packte meine Dokumente zurück in den Rucksack, zog ihn an und fing langsam an, mich in Richtung Ausgang zu begeben.
Ich schätze, dass es damals viel zu früh für mich war um zu verstehen, dass ich soeben das erreicht habe, wofür ich die letzten Monate gearbeitet habe.
…Mein Visum wurde genehmigt…

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