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In der Ausstellung HOMMAGE AN LOUISE BOURGEOIS in der Galerie Gublia in Essen zeigt die Künstlerin Gabriele Kaiser-Schanz eine umfassende Werkreihe bestehend aus einem konzeptionellen globalen Gender Foto Projekt, zwei Performances, einem Kurzfilm, zahlreichen Collagen und einigen Objekten. Die Künstlerin nimmt bewusst Bezug zu den Gemälden mit dem Titel “Femme Maison“ von Louise Bourgeois, die in der Zeit von 1945 bis 1947 entstanden. Diese Gemälde aus den 1940er Jahren zeigen nackte weibliche Körper, deren Köpfe und Teile des Körpers durch architektonische Formen wie Gebäude und Häuser ersetzt sind.

Gabriele Kaiser-Schanz beschäftigt sich ebenso wie die französisch- amerikanische Künstlerin Louise Bourgeois (1911–2010) kritisch mit der weiblichen Identität und lässt sich von ihrer Bildsprache inspirieren. Sie entwickelt dabei ihre eigene Ikonografie und persönliche Interpretation weiblicher Selbstwahrnehmung.

Anders als bei Louise Bourgeois, wo das Haus noch als massives Gebäude dargestellt wurde, erscheint es hier nun mehr als leicht anmutendes dreidimensionales Gerüst aus Metall, wobei der Kopf und das Gesicht der Frau sichtbar ist. Somit entfernt sich Gabriele Kaiser-Schanz ganz bewusst und deutlich von der Ikonografie der Louise Bourgeois und definiert ihre vollkommen eigenständige Haussymbolik.

In „HOMAGE TO LOUISE BOURGEOIS – a global gender photo-project“ schickt die Künstlerin diese Hauskonstruktion in verschiedene Länder der Erde, wo sich unterschiedliche Frauen mit diesem Hausporträtieren sollten.

Ziel dieses konzeptionellen Kunstprojektes ist die Frage der weiblichen Identität in Bezug zum Symbol Haus auf der ganzen Welt (Afrika, Australien, USA, Peru, Mexiko und vielen Ländern Europas). Frauen unabhängig von Beruf und Hautfarbe interagieren mit dem Haus: es dient als Kopfschmuck, wird angezogen oder in das tägliche Leben integriert. Das Ergebnis ist eine enorme Vielfalt der Interpretation. Die Energie ist spürbar. Anders als bei Louise Bourgeois, wo die Frau nackt und schutzlos, sich im Haus zu verstecken schien, sind die Frauen bei Gabriele Kaiser-Schanz bekleidet und sich ihrer Selbstbewusst. Sie haben ihre Position mit dem Haus selbst gewählt und sind sich ihrer Position, die sie mit dem „Haus“ einnehmen, bewusst. Manche agieren provokativ, andere sind liebevoll an ihr „Haus“ geschmiegt oder nehmen es gleich mit zum Yoga. Die Darstellungen lassen sich insofern in die Realität übersetzten, als dass die Rolle der Frauen sicherlich eine (selbst)bewusstere, als die der Frauen in den 1940er Jahren ist.

In ihrem performativen Kurzfilm „Die Frau wird das Haus nicht los“ spielt Gabriele Kaiser-Schanz ihre Rolle als Künstlerin, Mutter und Hausfrau, indem sie ein Haus-Objekt aus Metall mit transparentem Stoff bezogen auf dem Kopf trägt. Mit Humor und Ernsthaftigkeit gleichermaßen legt sie ihre Zerrissenheit von Familie und Beruf offen. Bei allem, was sie in ihrem Leben tut hat sie ihr HAUS dabei und ist parallel mit ihren Gedanken bei Kindern, Kunst und Mann. Mit humoristischer Note ist der Film mit einem rhythmischen Selbstmonolog unterlegt und wiederholt Worte wie „Reis, Erbsen und Kurkuma. Was soll ich bloß kochen?“, „Galeristin kontaktieren“, oder „Atmen nicht vergessen!“ Die schnell aneinander geschnittenen Filmszenen unterstreichen den Aspekt, dass eine Aufgabe die nächste ohne Pause ablöst ohne Zeit zum Atmen zu haben.  

„Die Zeit rennt, rennt, rennt!“, sagt sie und spiegelt den Alltag und Problematik vieler Frauen wider, mehrere Rollen ausfüllen zu müssen: Die liebevolle Mutter, die erfolgreiche Karrierefrau und Organisatorin des Haushalts.

An dieser Stelle lässt sich der Bogen zum Ende der Suppen-Performance schlagen, bei der die Künstlerin das Haus-Objekt wie eine Krone mit Schleier auf dem Kopf trägt und eine Suppe kocht. Die Zutaten sind nicht die gewöhnlich wohlschmeckenden Zutaten, sondern zum Nachdenken anregende Ingredienzien. Zitate der Geschichte des Feminismus von Olympe des Gouges von 1789 bis zur Gegenwart werden von Gabriele Kaiser-Schanz vorgelesen, ausgeschnitten und in den Suppentopf gegeben und die Ingredienz kräftig verrührt. Am Ende liest sie das Zitat von Chimamanda Ngozi Adichie vor:„My own definition of a feminist is a man or a woman who says, Yes, there’s is a problem with gender as it is today and we must fix it, we must do better. All of us, women and men, must do better. “

Hinterfragt Gabriele Kaiser-Schanz in der Werkgruppe „Hommage an Louise Bourgeois“ das Rollenverständnis der Frau so rückt unmittelbar auch das des Mannes ins Blickfeld. Die rein weibliche Sichtweise auf das Rollenverständnis wird implizit um den männlichen Blickwinkel erweitert und wirft die Frage nach der Stimmigkeit des allgemeinen menschlichen Miteinanders auf. Bereits in vorangegangenen Werken und Werkgruppen beschäftigt sich Gabriele Kaiser-Schanz mit dem Zusammenleben von Menschen unter bestimmten gesellschaftlichen und soziologischen Einflüssen. Immer wieder legt die Künstlerin ihr Augenmerk auf den Menschen an sich. Der Auslöser ihrer Kunst ist die Reflexion über den Menschen an sich und wie er in grundlegenden gesellschaftsprägenden Konventionen, Normen und Ritualen agiert.

* Chimamanda Ngozi Adichie

Dr. Andrea Fink