Roman Pilgrim – eine Momentaufnahme eines jungen Künstlers

Abstrakt-Malerei-Pilgrim

An einem Samstagnachmittag betrete ich den Saal des Eurasia Kulturvereins in Gelsenkirchen-Ückendorf. Im hinteren Bereich der Räumlichkeiten hat Roman Pilgrim sein Atelier eingerichtet. Samstags von 14-17 Uhr hat jeder die Chance den Künstler persönlich kennenzulernen. Als ich hereinkomme, sitzt Roman am schwarzen Flügel und haut in die Tasten. Wenn er Klavier spiele, improvisiere er gerne. Da gibt es kein Konzept, keinen Inhalt. Auch seine Kunst ist Ausdruck seiner Gefühlswelt. „Meine Bilder verraten mir etwas über mich“, erklärt der 32-Jährige, der mit seiner Malerei vor viereinhalb Jahren den Sprung in die Selbstständigkeit gewagt hat. Was verraten mir seine Bilder? Während Roman mit großer Wucht eine chromatische Tonleiter erklingen lässt, begebe ich mich in seinen Ausstellungsraum und betrachte die dort aufgehängten Werke. Er selbst beschreibt sich als einen sehr ruhigen, oft nachdenklichen Menschen. In seinen Bildern erkenne ich aufgewühlte Züge. Mir scheint jedoch, als transformiere der Künstler seine eigene Sentimentalität in etwas, was im Betrachter durchaus Fröhlichkeit auslösen kann. Seine Kunst ist abstrakt, bunt und experimentell. So finden sich unter den Ausstellungsstücken auch Lichtobjekte, bei denen durch die Innenbeleuchtung Romans Vorliebe für besondere Strukturen stark zum Ausdruck kommt. Was ein Bild im Betrachter auslöst, bleibt natürlich individuell, aber beim Vorbereiten einer Ausstellung verfolgt der Künstler schon ein gewisses Konzept: „Wenn ich für eine Ausstellung male, versuche ich ein Thema auszusuchen, was ich aus verschiedenen Perspektiven beleuchte. Meistens sind das Themen, die in dem Moment für mich wichtig sind, sei es Liebe, Einsamkeit oder Krieg. Erstmal versuche ich herauszukriegen, was es für mich bedeutet oder in mir auslöst. Im Nachhinein mache ich mir Gedanken darum, was ich mit der Ausstellung erreichen, was für ein Gefühl ich erzeugen will.“Malerei-Grid-Abstrakt
Eine Ausstellung vorzubereiten sei für ihn eine kreativere Arbeit, als lediglich eine Reihe von Bildern zu malen. Der ganze Prozess ist Teil eines großen Konzepts. Dazu gehört neben der Bewerbung vor allem der Gedanke, wie ein Thema dargestellt werden soll. „Ich versuche das ganze Thema in ein Veranstaltungsformat zu gießen, das nicht nur jedes einzelne Bild abzeichnet, sondern die gesamte Serie“, verdeutlicht Roman und experimentiert weiter auf der Tastatur. Es steckt also schon ein gewisser Sinn dahinter. Dazu gehört natürlich auch die Initiative Experimente zu wagen, einfach mal was Neues auszuprobieren. Unter Druck kann nichts gelingen – daher sei es auch wichtig, zwischendurch die Freiheit zu haben wieder frei von Erwartungen malen zu können. Seine persönliche Entwicklung spiegelt sich in der Vielfalt seiner Techniken wider. „Man hat natürlich auch den Anspruch an jede neue Ausstellung, Bilder immer wieder auf andere Art und Weise entstehen zu lassen, andere Perspektiven einzunehmen. Ich versuche mich in neue Themen einzudenken und schaue, wo habe ich da Bezugspunkte. Ich glaube, dass ist auch eine Aufgabe in der Kunst oder Malerei, dass man sich mit gewissen Themen ganz bewusst auseinandersetzt. Sicherlich denkt jeder mal über das ein oder andere Thema nach, aber man geht vielleicht nicht so tief darein. Wenn man etwas Künstlerisches macht, dann erfordert das eine sehr intensive Auseinandersetzung. Das ist immer auch eine Herausforderung, denn es klappt ja nicht immer wie man will.“ Aber wo ein Wille, da ein Weg. Und seitdem sich Roman darauf eingelassen hat, hat sich vieles schlicht weg von alleine ergeben.

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