Guter Wein und viel Lebensfreude

Guter Wein
Nach einer Antwort auf die Frage, was das Wichtigste im Leben sei, brauche ich nicht lange zu suchen. Wer dem Leben keine Freude abgewinnen kann, verpasst etwas. Das Leben mit allen Sinnen zu genießen, will gelernt sein. Weinkenner haben eines erkannt: Wer einen guten Wein zu schätzen weiß, der fängt an einen neuen Sinn für die Vielseitigkeit von Geschmäckern, Gerüchen und Gefühlen zu entwickeln. Sich auf den Zauber des Lebens einlassen zu können, erfordert eine gute Portion Gelassenheit. Dabei geht es um die simpelsten Dinge – ein gutes Buch lesen, einen guten Wein genießen. Sobald wir einfachen Handlungen mehr Bedeutung beimessen, erfahren sie eine Aufwertung und können dazu beitragen unser Leben zu bereichern.
 Ich mache mich auf den Weg nach Essen-Rellinghausen, um dort in einem Weingeschäft eine Flasche Wein zum Abendessen einzukaufen. Da ich kein großer Weinkenner bin, stehe ich lange Zeit unentschlossen vor vielen Flaschen roter Weine aus Frankreich. Meine Entscheidung fällt schließlich auf eine Flasche aus dem Bordeaux-Regal, das mit einem Schild „aus der eingetroffenen Subskription 2014“ markiert ist. Aus Neugier spreche ich den Besitzer darauf an, und komme mit ihm in ein interessantes Gespräch über die Entwicklung des CB-Weinhandels und seine Erfahrungen.

Vor 10 Jahren gründete der damals 24-jährige Christian Balog sein in Essen mittlerweile gut bekanntes Weinfachgeschäft, das zu Beginn bereits mit 550 Artikeln bestückt war. Heute sind es weit über tausend Wein- und Spirituosenspezialitäten. Zeitgleich organisierte der Betreiber einen umfangreichen Online-Webshop mit Vertrieb über das Internet.
In Essen-Rellinghausen kennen Christian Balog viele seiner heutigen Kunden, denn hier ist er im Hause einer Metzger-Familie aufgewachsen. Der Umgang mit Genussmitteln wurde ihm somit schon in die Wiege gelegt. Nachdem er nach der Schulausbildung seine Lehre zum Einzelhandelskaufmann bei Edeka Zurheide erfolgreich beendete, verschlug es ihn berufsbegleitend nach Koblenz, um bei der Wein- und Sommelier-Schule einen Abschluss zum IHK geprüften Weinfachberater zu absolvieren. Im Anschluss zögerte er nicht lange und wagte den Schritt in die Selbstständigkeit.
Investiert wurde aus eigener Tasche. Wenn das Geschäft gut lief und die Umsätze anstiegen, wurde das Sortiment erweitert. Zu Anfang bedeutete dies eine siebentägige Arbeitswoche. Bis auf den familiären Rückhalt, war Christian ganz auf sich allein gestellt. Mich interessiert wie man solch ein Projekt überhaupt angeht.
„Zuerst habe ich nach interessanten Produkten gesucht und bin so auf deren Importeure gekommen. Später, nachdem sich die Produktpalette herauskristallisiert hatte, habe ich angefangen die Weine auch selbst zu importieren. Manchmal ist es auch ein glücklicher Zufall, wie 2014 bei meinem Urlaub in Australien. Dort habe ich einen großartigen Wein namens Little Demon vom Weingut Maxwell in einem Restaurant direkt in Sydney entdeckt. Schließlich besuchte ich den Winzer vor Ort im McLaren Vale. Wir kamen ins Gespräch und er war sehr an einem kompetenten Partner aus Deutschland interessiert. Seit einigen Jahren nun importiere ich diesen und weitere Weine des Weinguts Maxwell exklusiv für meine Kunden.“


-Mögen Ihre Kunden in Deutschland diesen Wein? Haben Sie mit dem Produkt Erfolg?

„Nicht nur in Deutschland. Wir haben Kunden aus ganz Europa. Aufgrund dessen liefern wir unterschiedlichste Weine z.B. auch nach Norwegen, Belgien, Luxemburg sowie in viele andere europäische Nachbarländer. Mittlerweile haben wir das Vertrauen vieler Kunden gewonnen und verkaufen auch Subskriptionsweine. Das bedeutet, dass der Kunde einen Wein kauft, dieser aber erst Jahre später auf die Flaschen gefüllt wird. Bis zur Auslieferung vergeht dann auch noch eine gewisse Zeit. Ein Bordeaux aus dem Jahrgang 2016 z.B. wird ein Jahr später bereits zum Verkauf angeboten, aber erst 2019 ausgeliefert. Das Warten ist es aber allemal wert, denn auf diese Weise kann der Kunde gesuchte und hochbewertete Weine zum bestmöglichen Preis erwerben. Bei Auslieferung sind diese Weine oft bereits ausverkauft oder nur noch mit deutlichen Preisaufschlägen zu haben.“

-Wie können Sie denn Wein verkaufen, wenn er noch nicht da ist? Letztendlich verpflichten Sie sich ein qualitativ gutes Produkt auszuliefern.Guter Wein bringt viel Freude

„Das tun wir auch! Wenn wir Bordeaux en primeur für unser Geschäft einkaufen, fahren wir nach Frankreich zu Bordeaux- Primeur-Verkostungen, um den Wein eigens zu probieren. Wenn das neue Jahr gelesen und die Gärung abgeschlossen ist, verkosten wir den bereits assemblierten Wein, der dann noch einige Monate reift und veredelt wird, bevor er schließlich auf die Flaschen kommt.

-Das bedeutet aber, dass der Geschmack sich noch verändern wird. Kann man die Richtung dieser Veränderung erahnen?

„Gewissermaßen ja. Das ist auch der Grund, warum wir diese Proben machen. Manchmal probieren wir bis zu 80 Weine pro Tag, und mehrere hundert in den 7-10 Tagen vor Ort, um die Besten für unsere Kundschaft zu selektieren. Und dies nun bereits seit vielen Jahren über die verschiedenen Jahrgänge hinweg, um auch zu wissen wie der Wein sich entwickelt hat und der neue Wein sich entwickeln wird.

-Kann man bei hunderten von Fassmustern dann überhaupt noch einen Wein von dem Anderen unterscheiden?

Man darf sich das nicht wie ein gemütliches Essen vorstellen. Es wird weder gegessen noch getrunken. Man konzentriert sich sehr stark auf den Wein und geht nach einer gewissen Struktur vor. Normalerweise findet die Separierung nach Weinbaugebieten statt. Es geht ausschließlich um die Weine aus einer Region, bei denen man im Vergleich auch viele Unterschiede feststellen kann. Zunächst begutachtet man die Farbe des Weins. Wenn die Weine noch sehr jung sind, ist ein violetter Schimmer zu erkennen. Für einen reifen Wein ist eine Farbe, die ins Orangene tendieren kann, typisch. Das, was Sie jetzt im Glas haben, ist ein Spät-Burgunder. Wenn ein junger Bordeaux solch eine helle Farbe hätte, würde das für keinen guten Wein sprechen, denn er wäre einfach zu hell und wäre nicht typisch, oder es würde für ein extrem schwaches Jahr sprechen. In einem nächsten Schritt rieche ich an dem Wein. Bei einem fruchtig riechenden Wein, gilt es die Furchtnote noch näher zu bestimmen. Bei der Verkostung mache ich mir immer viele Notizen, um meine Eindrücke festzuhalten. Ich schreibe auf, ob der Duft mich z.B. an Brombeeren, Kirschen oder Johannesbeeren erinnert oder vielleicht eher eine herbere Note hat, die ich mit Tabak oder schwarzer Schokolade assoziiere. Letztendlich nimmt man den Wein in den Mund um den Geschmack näher zu bestimmen. Entweder er ist von der Konzentration her eher leichter oder mittelstark, hat wenig oder viel Säure. Nachdem man ihn eine Weile am Gaumen hatte, spuckt man den Wein wieder aus und spürt, wie sich der Geschmack innerhalb von wenigen Sekunden entwickelt; dies nennt man dann Nachhall.
Zudem verfolgen wir die verschiedenen Weine über Jahre hinweg. Man weiß genau welcher Wein, welchen Ton und Geschmack schon vor 5 Jahren hatte, und kann so Vergleiche anstellen, sehen wie die Weine sich entwickeln. Für uns sind diese Erfahrungswerte extrem wichtig.“

-Aber ist es nicht bei allem so, dass es irgendwann langweilig wird?

„Bei Wein ist es anders. Er schafft es, mich immer wieder aufs Neue zu faszinieren. Wein ist stetig im Wechsel. Neue Jahrgänge versprechen immer wieder aufregende, neue Weine. Kein Jahr schmeckt wie das andere. Es gibt zwar Parallelen und Ähnlichkeiten – aber letztendlich handelt es sich immer wieder um ein einmaliges Naturprodukt, dessen Geschmack einmalig ist.“

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