Ein harter Knochen dieses Business

Hundeschule in Essen, Dein Werk, Magazin für Macher

Diesmal stellt die Redaktion ein etwas untypisches Business vor, nämlich eine Hundeschule. So etwas entspricht nicht unbedingt dem Gedanken eines Business im klassischem Sinne sondern eher einer selbständigen Tätigkeit als Hobby. In unserem folgenden Bericht handelt es sich hierbei allerdings um eine Hundeschule, welche einen sehr hohen Kompetenzanspruch sowie ein wesentlich breiteres Spektrum zu bieten hat. Die Qualität dieser Leistungen in diesem Kleinunternehmen setzt noch nie gekannte Maßstäbe und ist daher einzigartig. Eben doch ein kleines Wirtschaftsunternehmen, welches mit anderen Unternehmen durchaus konkurrieren kann.

Sonja Grüter

Hund ist nicht mehr nur Hund. Es ist ein Statussymbol daraus geworden, meint Sonja Grueter bei unserem Gespräch in ihrem Zentrum für Kynologie im Essener Süden. Für viele Menschen ist der Hund ein Kinderersatz geworden. Da sehr viele Menschen berufstätig sind, ist der Bedarf für eine sehr gute Betreuung gestiegen. Der Anspruch der Hunde-besitzer liegt nicht nur auf der Tagesbetreuung, sondern auch auf der Ausbildung ihrer Vierbeiner.

Dein Werk: Also Nachfrage ist da. Und die Konkurrenz?

SG: Ich schaue nicht nach der Konkurrenz. Ich möchte meinen Kunden ein Rundumpaket bieten, eine artgerechte Haltung und Erziehung mit dem der Mensch, der Hund und das Team rundum zufrieden sind. 

Dein Werk: Du bietest in deinem Zentrum für Kynologie vieles an. Das sollte die Attraktivität für die Kunden steigern. Hundeschule, Hundepension, Tierphysiotherapeutische Praxis, Tierfotografie, verschiedene Beschäftigungskurse wie Fährtenkurs, Longieren, verschiedene Seminare, zahlreiche Events und vieles mehr. Auch Marketing aller Art wird nachhaltig publiziert. Eine moderne Homepage, die durch die eigene App schnell und einfach auf das Smartphone herunter geladen werden kann. Und natürlich eine ständig aktualisierte Facebook- Seite. Ist in dem Geschäft die Mundpropaganda nicht am wichtigsten?

SG: Sicherlich ist eine gute Mundpropaganda sehr wichtig, aber in der heutigen Zeit ist die Internetpräsenz überhaupt nicht mehr wegzudenken, da sich sehr viele über das Internet informieren und sich auch wegen eines guten Internetauftritts für uns entscheiden.

Dein Werk: Also die Nachfrage ist da, die Kunden sind da und auch der Trend und gesetzliche Regelungen spielen mit. Das heißt doch, dass man mit der Hundeschule richtig Geld verdienen kann. So kann man sich statt einem kleinen Freiberufler ein mittelständiges Unternehmen vorstellen.

SG: So kann man das sehen, wenn man nicht vergisst, was der Preis dafür ist.

Dein Werk: Wie sollte man es tun?

SG: Ich denke, dass in erster Linie die Leidenschaft zu dem was man tut, da sein muss. Wer schnell viel Geld verdienen will, ist meiner Meinung nach bei der Arbeit mit Tieren falsch. Ich habe genau wie viele Selbstständige klein angefangen. Für mich stand im Vordergrund mich bestmöglich fort- und weiterzubilden, um in allen Bereichen rund um den Hund bestmöglich aufgestellt zu sein. Aus diesem Grund war es auch mein Traum ein Zentrum für Kynologie zu eröffnen, um eine ganzheitliche Betrachtung zu gewährleisten, um dann auch adäquat entscheiden zu können, welches der richtige Weg für Mensch und Hund ist.

Mein großer Schwerpunkt liegt in der medizinischen Verhaltensdiagnostik. Das heißt, dass viele Hunde nicht von ihrem Verhalten her auffällig sind, sondern häufig organische Probleme mit sich bringen, wie z.B. Schmerzen. Dieses sollte man unterscheiden können. Denn ein Hund mit Schmerzen kann nicht am Training teilnehmen, hier bekommt die ganzheitliche Betrachtung ihre Bedeutung. Nicht zu unterschätzen sind nur alleine Futtermittelunverträglichkeiten, deswegen legen wir einen großen Schwerpunkt auf die Kooperation mit einem zertifizierten Ernährungsberater für Hunde.  

Wenn ich sage, man darf den Preis nicht vergessen, den man dafür zählt, meine ich damit, dass es ein 24-Stunden Job ist. Weil es mein Anspruch ist für meine Kunden immer da zu sein, ist es auch immer wichtig gewesen das Angebot das ganze Jahr anzubieten.

Für den Traum von dem Zentrum für Kynologie habe ich hart gekämpft, was auch bedeutet, dass ein Arbeitstag nicht mit Geschäftsschluss des Zentrums endet.

Denn dann werden noch die Hunde, die sich in einem stationären Trainingsaufenthalt befinden betreut und versorgt. Dazu braucht man ein Zuhause, was einem ermöglicht Hunde auch 24 Stunden zu erleben und zu beobachten. Zu dem kommen noch die administrativen Aufgaben, wie Neukundenanfragen, Beantworten von Email-anfragen und Organisation des Gesamtmanagements.

Wichtig bei all dem ist natürlich auch, dass das private Umfeld stimmt. Diese Leben muss man mögen und Hunde muss man leben, anders funktioniert das nicht. So ist jeder Tag ein Kompromiss zwischen Business und Privatleben, was aber ein sehr gutes Zusammenspiel ist.

Ich gebe selber Seminare und hier kommt die eben angesprochene Mundpropaganda zum Tragen. Ich werde inzwischen bundesweit gebucht. Mein Anspruch ist es mich weit zu fächern.Ich achte immer darauf das Angebot durch Gastdozenten und sehr nette Kollegen zu bereichern. 

Dein Werk: Und die Zeit für sich selbst ?

SG: Es ist eine Sache der Organisation. Natürlich ist es schwer bei einer 7-Tage Woche, die sehr viel Kraft kostet und wo ich immer die Hunde im Hinterkopf habe, sich entsprechende Freiräume zu schaffen, aber es gelingt und mein Privatleben mit Beziehung und Freunden ist immer ein sehr schöner Ausgleich.

Sonja hat zwei feste Mitarbeiter, eine Pensionsleiterin und einen stellvertretenden Geschäftsführer. Alles andere bewegt sich im freiwilligen und sozialen Bereich. Um davon leben zu können hat Sonja immer noch in ihrem Job als Krankenschwester gearbeitet. Ihren ersten Urlaub in der Selbstständigkeit konnte sie erst nach einigen Jahren machen und das natürlich nur zusammen mit ihren eigenen Hunden. „Ohne Hunde gibt es mich nicht!“ Sonja kommt noch aus einer Zeit der Erziehung, in der Werte wie Zuverlässigkeit, Höflichkeit und Fleiß eine große Rolle spielten.Ihr Lebensstil war es schon immer gewesen, sich um Andere zu kümmern. Die soziale Kompetenz ist ihr sehr wichtig, auch wenn es um Tiere geht.

SG: Meine Kunden sind ja Menschen. Oft bewege ich mich in der Diagnostik in einem sehr intimen Bereich, wenn es um Tagesabläufe, Befindlichkeiten und Beziehungen geht. Wenn der Hund für den Menschen nicht richtig “funktioniert” muss ich als Verhaltenstherapeutin nach Ursachen suchen. Ohne den Menschen kann ich sowieso keinen Hund erziehen. Mir liegt es ja am Herzen, dass der Mensch mit seinem Hund ein gutes harmonisches Team wird.

Dein Werk: Was bist du mehr? Eine Businessfrau oder Verhaltenstherapeutin? Kannst du es dir vorstellen irgendwann ein anderes Geschäft zu betreiben?

SG: Nein, das ist meine Leidenschaft. Ich habe mein Hobby zu meinem Beruf gemacht. Mein Ziel ist es, in den nächsten Jahren mein Zentrum weiter so aufzubauen, dass ich mich um die administrativen Sachen, die ich schon am Anfang unseres Gespräches genannt habe, nicht mehr selber kümmern muss. Und so noch mehr Zeit zu haben, um die Welt rund um den Hund weiter zu erforschen. Mehr Zeit zu haben meine Leidenschaft als Dozentin auszuleben. Und das langfristige Ziel zu verfolgen, vielleicht ein weiteres Zentrum in einer anderen Stadt zu eröffnen.Trotzdem bin ich absolut in diesem Business und glaube du kannst das nicht trennen.

Dein Werk: Du könntest doch mit deiner Leidenschaft auch ohne Selbstständigkeit Verhaltenstherapeutin bleiben, oder?

SG: Sicherlich. Das ist aber nicht mein Anspruch. Meine Leidenschaft braucht einfach Raum. Sie braucht ein ganzheitliches Zentrum für Kynologie. Und es braucht die Selbstständigkeit, mit der ich meine Leidenschaft und Träume nach meinem eigenen Stil verwirklichen kann.

Dein Werk: Unsere Online-Redaktion wünscht dir viel Erfolg.

SG: Vielen Dank  

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