Au-pair. Die passende Familie

AuPair Familie

Auslandsjar in den USA. Teil IV

Also wartete ich auf ein neues Match, welches nicht allzu lange auf sich warten ließ. Diesmal war es eine junge Familie mit zwei Jungs aus New Jersey. Ein kompletter Unterschied zu der ersten Familie, zumal die Kinder 1 und 4 Jahre alt waren. Den Kontakt hat die Familienmutter zu mir aufgenommen. Es war eine sehr nette junge Dame die mir schon in der ersten Nachricht, die sehr umfangreich war, sehr vieles erzählte und sagte, dass sie sich freuen würde, mich in einem persönlichen Gespräch kennenzulernen. Da ich zu der Zeit bereits mein erstens Match gehabt habe, hatte ich einen direkten Vergleich zwischen der ersten und der gegenwärtigen Familienanfrage. Es waren einfach zwei verschiedene Welten und man hat sofort merken können, dass bei dieser Familie ein tatsächliches Interesse in mir bestanden hat.
Wir schrieben also wie gewöhnlich ein paar Mails hin und her bis die Mutter und ich uns auf einen für uns beide passenden Termin einigen konnten. Auch hier hat man gesehen, dass die Familie viel organisierter ist und mit mehr Struktur an Angelegenheiten geht, denn der abgesprochene Termin wurde auf die Minute genau eingehalten.
Zwar handelt es sich bei dem ganzen Au Pair Programm nicht wie bei einem Bewerbungsgespräch um genaue Zeiten und Disziplin, jedoch hat mir die Genauigkeit verbunden mit ihrer Freundlichkeit ein sehr positives Bild von der Familie verschafft, wodurch ich mit einer viel besseren Laune und Lust auf ein Gespräch in das „Skype-Interview“ ging.
Nicht nur die Planung, sondern auch das Gespräch an sich verlief strukturiert, freundlich und angenehm. Dennoch war man nicht zu 100 % offen zu einander, da die Spannung des Kennenlernens auf beiden Seiten vorhanden war und man selbstverständlich einen guten ersten Eindruck bei dem anderen machen wollte. Was ich vorhin damit meinte, dass jedes Gespräch einen anderen Charakter und auch ein unterschiedlichen Stil hat, ist genau dieses Beispiel. Es gibt keine Vorgaben, wie oder wie lange eine solche Unterhaltung gehen sollte, denn da alle Menschen unterschiedlich sind, ist die Chemie bei jedem Gespräch ganz individuell.
Als das höchst informative und auch, trotz kleiner Spannung, sehr angenehme Gespräch vorbei war, verabschiedeten wir uns sehr freundlich. Die Mutter sagte mir ganz ehrlich, dass sie auch mit anderen Bewerbern im Kontakt steht und mich über den weiteren Ablauf ihrer Entscheidungen informieren würde und das auch ich mir doch bitte Zeit nehmen soll, über das Gespräch nachzudenken und sie wissen zu lassen, was ich von einer möglichen künftigen „Zusammenarbeit“ mit der Familie halten würde. Als ich dies auch tat, bin ich zu folgendem Entschluss gekommen: Ich könnte mir zwar ein Jahr mit dieser ausgesprochen netten Familie vorstellen, aber ich wüsste nicht ob ich auch wirklich ich selbst mit diesen Menschen sein könnte. Immerhin musste ich schon viel daran setzten mich anzustrengen nichts Falsches zu sagen, um der Familienmutter keinen Grund zu geben sich zu hinterfragen, ob ich die perfekte Wahl für die Kinder wäre.
Dies schien mir nicht wirklich richtig zu sein, zumal ich eigentlich auch ein eher aktiver und lustiger Mensch bin, mich jedoch mehr steif und ruhig verhalten musste.
Zu dem Zeitpunkt jedoch dachte ich, dass ich mich trotz der kleinen Verklemmtheit nicht gegen diese Gastfamilie entscheiden würde.
An diesem Punkt würde ich gerne hinzufügen, wie wichtig es doch ist, schon bei dem aller ersten Gespräch man selbst zu sein, denn schließlich wird die Gastfamilie ein volles Jahr mit einem echten „Euch“ verbringen und nicht mit einer zwecks guten Eindrucks verfälschten Version von Euch selbst. Das hat mir Cultural Care damals genauso gesagt und das sage ich jetzt Euch.

Verbunden damit möchte ich auch sagen, dass man, auch wenn man erst mal denkt, dass man nicht in die Familie passen würde, erst mal IMMER ein Telefonat mit dieser Familie haben sollte. Ihr werdet das anhand meiner eigenen Erfahrung etwas später sehen.

Auf jeden Fall hat sich die Gastmutter des zweiten Matches nach wenigen Wochen per Email bei mir gemeldet und teilte mir mit, dass sie sich für ein anderes Au Pair entscheiden haben. Die Mail war sehr freundlich und sie hat mir den Grund ihrer und der Entscheidung ihres Mannes ausführlich geschildert. Sie schrieb, dass sie eine bessere Bindung mit einem anderen Au Pair aufbauen konnten. Zwar war ich traurig, dass es doch nicht funktioniert hat, jedoch wusste ich, dass es eine Gastfamilie geben muss, die besser zu mir passt.

Nur ein Anruf

Also hatte sich auch diese Familie für mein Auslandsjahr erledigt und ich wartete auf mein nächstes Match, welches schon am nächsten Tag in meinem Account war. Eine Familie aus Seattle im Staat Washington die das perfekte Beispiel für meine Aussage: Immer mit allen Familien die Euch matchen sprechen, denn erstens kann es Euch nicht schaden und zweitens sammelt Ihr durch solche Gespräche Erfahrungen. Diese Familie bestand aus Mutter, Vater einem Vierjährigen, Zweijährigen und einem Baby. Weder die Anzahl noch das Alter der Kinder haben mir persönlich gepasst. Mit den zwei Jungs hatte ich nicht so ein großes Problem. Das hätte ich mir damals auch selber zugetraut. Das ausschlaggebende war das Baby. Auch wenn es nur das Kleinkind wäre, würde ich eine riesige Verantwortung tragen müssen und dauerhaft ein Auge auf das Kind haben müssen. In Kombination mit den anderen beiden Jungs jedoch unvorstellbar für mich.
Dennoch habe ich mich wie oben beschrieben dafür entschieden mit der Familie zu sprechen, um mir zusätzliche Englischkenntnisse anzueignen und Erfahrungen eines Gespräches mit einer Gastfamilie zu sammeln.
Da es mein drittes Gespräch mit einer Familie war, die mich zudem nicht wirklich reizte, bin ich nicht sonderlich nervös gewesen.

Die ganzen Details des Gespräches lasse ich diesmal aus. Ich kann nur sagen, dass bei dem Telefonat pures Chaos in der Familie herrschte und ich sah, wie selbst die Mutter die Gesamtsituation mit den Kindern nicht unter Kontrolle hatte. Ich konnte mir nicht vorstellen, ihren Posten für ein ganzes Jahr einzunehmen.
Also ging ich auch mit dieser Familie auseinander und wartete auf den nächsten Vorschlag.

Ich habe durch Cultural Care und auch durch Au Pair Whatsappgruppen mitbekommen können, dass viele sich Sorgen machen wenn die ersten Paar Gespräche nicht gut gelaufen sind und man sich lieber dafür entschieden hat, weiterzusuchen. Die damit verbundene Sorge überhaupt keine Familie zu finden kann ich gut verstehen und nachvollziehen, jedoch habe ich Au Pairs kennengelernt, die tatsächlich erst nach dem vierzigsten Match eine Familie finden konnten. Das ist aber auch gut verständlich für mich, da es sich immerhin um ein volles Jahr handelt, welches man mit einer fremden Partei gemeinsam in einem Haus verbring und sich währenddessen alles teilt. Man sollte sich daher reiflich überlegen, mit wem man sich so ein Erlebnis vorstellen könnte und mit wem nicht.

Also verschwand auch diese Familie aus meinem Profil. Jedoch entwickelte sich die nächste Familie, die ich schon wenige Tage darauf in meinem Profil hatte, zu einem Fall, den ich mir so nie vorgestellt haben könnte…

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